Die Arealentwicklung bildet den Auftakt für ein neues Stück Luzern. Ein Quartier, das durch seine Vielfalt besticht und die Wege zwischen Wohnen, Arbeit, Versorgung und Erholung kurz hält.

2016

Erstellung Wettbewerbsprogramm

2017

Ausschreibung Wettbewerb

2018

Halböffentliche Jurierung

2018

Dialogphase

2020

Gestaltungsplan

2021

Bau erste Etappe

2023

Bau zweite Etappe

Ein aussergewöhnliches Wettbewerbsverfahren
Zweistufiger Projektwettbewerb auf Einladung

Die Ausgangslage und Aufgabenstellung des Projekts Industriestrasse sind speziell. Dies zeigt sich in der Auftraggeberin, bestehend aus fünf Genossenschaften, der Prüfung der städtebaulich verträglichen Dichte sowie der Beurteilung zweier Disziplinen (Städtebau/Aussenraum und Gebäudetypologien).

Das Ziel des Wettbewerbs ist es, Projektvorschläge für eine innovative, exemplarische, kosteneffiziente und gemeinschaftsfördernde Überbauung in Holzbauweise nach den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft zu erhalten.

Die erste Stufe des Wettbewerbs soll den angefragten Planerbüros die Möglichkeit bieten, ihr Interesse an der anspruchsvollen Aufgabe und ihre Intuition zur Aufgabenlösung mit der Darstellung oder Formulierung einer Idee zum Areal Industriestrasse darzulegen. In der zweiten Stufe sind Vorschläge zum Städtebau, zum Aussenraum sowie zur Gebäudetypologie gefragt.

Die Sieger des Wettbewerbs werden im Frühjahr 2018 bekannt gegeben.

Preisgericht

Das Preisgericht setzt sich zusammen aus Fach- und Sachpreisrichtern sowie Experten.

Fachpreisrichter:

  • Gion A. Caminada, Architekt, Vrin
  • Lorenzo Giuliani, Architekt, Zürich
  • Ilinca Manaila, Architektin, Zürich
  • Toni Weber, Landschaftsarchitekt, Solothurn
  • Anja Kloth, Vertretung Stadt Luzern, Architektin, Luzern
  • Cla Büchi, Projektleiter Kooperation Industriestrasse, Architekt, Luzern


Sachpreisrichter:

  • abl: Peter Bucher, Leiter Bau & Entwicklung abl, Luzern
  • GWI: Pascal Hofer, Präsident GWI, Luzern
  • LBG: Daniel Burri, Präsident LBG,  Luzern
  • WOGENO: Roland Heller, Vorstandsmitglied WOGENO, Luzern
  • Wohnwerk: Harry van der Meijs, Präsident Wohnwerk, Luzern (Vorsitz)
  • Stadt Luzern: Beat Züsli, Stadtrat und Stadtpräsident, Luzern (mit beratender Stimme)


Experten:

  • Orpheo Carcano, IGI Luzern, Kulturveranstalter, Luzern
  • Patrick Ernst, 2000-Watt-Areal-Berater, Luzern
  • Walter Graf, Bauökonom/Dozent HSLU, Luzern (Moderation)
  • Res Keller, Genossenschaftsbau, Projektentwicklung Kalkbreite, Zürich
  • Pirmin Jung, Holzbau, Holzbauingenieur, Rain
  • Alex Willener, Soziale Nachhaltigkeit, Quartier-, Gemeinde- und Stadtentwicklung, Luzern

Termine Wettbewerbsverfahren

  • Mitte Juli 2017
    Ausgabe Wettbewerbsunterlagen 1. Stufe
  • Mitte August 2017
    Begehung Areal mit Inputreferaten
  • Anfang Oktober 2017
    Präsentation 1. Stufe und Jurierung      
  • Mitte Oktober 2017
    Einladung ausgewählter Teams für 2. Stufe 
  • Mitte bis Ende April 2018
    Halböffentliche Jurierung
  • Anfang Juni 2018
    Bekanntmachung des Ergebnisses
  • Ende Juni 2018
    Ausstellung

Halböffentliche Jurierung

Die Jurierung der zweiten Stufe wird halböffentlich durchgeführt. Dies ermöglicht interessierten Kreisen mit Bezug zur Industriestrasse einen Einblick in den Beurteilungsprozess und sorgt für Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsfindung. Das Juryverfahren sieht die Kooperation als Bestandteil des partizipativen Grundgedankens, der die Projektentwicklung über alle Phasen begleiten soll.

Medienmitteilung

Ausschreibung Planungswettbewerb

Lage und Grundstück

8'700m2 Baugrund, Modell Industriestrasse

Das Industriestrassenareal befindet sich im südlichen Tribschen-Langensand-Quartier der Stadt Luzern am Fusse des Geissensteins. Angrenzend liegen die Quartiere Hirschmatt-Neustadt und Sternmatt. Das stadtzentrale Areal liegt nahe beim Bahnhof, der Innenstadt, dem See und den südlichen Hügelrippen des Geissensteins und der Wartegg. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Entwicklungsareale ewl, Steghof und Rösslimatt.

Das Industriestrassenareal wird umfasst von den Quartierstrassen Geissensteinring, Unterlachen-, Keller- und Industriestrasse. Innerhalb dieses Strassengevierts befinden sich entlang der Unterlachen- und Kellerstrasse private Grundstücke mit älteren Mehrfamilienhäusern und einem Haus mit Alterswohnungen der Luzerner Pensionskasse. Diese Grundstücke und Häuser sind nicht im Besitz der Kooperation, gehören aber zum Betrachtungsperimeter. Die zwei Liegenschaften Unterlachenstrasse 25 und 27 konnte die Genossenschaft Industriestrasse GWI im April 2017 erwerben.


Gebäudetypologie

Gaswerk-Areal um 1899

Das Industriestrassenareal ist geprägt durch eine bauliche Vielfalt und Heterogenität, herrührend von der ehemals gewerblichen Nutzung. Seit Ende der 1970er-Jahre wird das Areal durch vielerlei Kleingewerbe, Kulturschaffende und Wohnende zwischengenutzt.

Auf dem Areal befinden sich neben Gewerbebauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschiedene Lagerschuppen, Hallenbauten, und Unterstände. Ein Teil der Gewerbebauten weisen Qualitäten auf, die eine Erhaltung rechtfertigen würden. Im Bauinventar der Stadt ist einzig das ehemalige Käselager Industriestrasse 9 als erhaltenswert klassiert.

ehemaliges Käselager

Industriestrasse 9

Das Käselager Industriestrasse 9, 1903-05 für den Käseexporteur Franz Dillier-Wyss erbaut, ist eines der ältesten, noch erhaltenen Gebäude des Industriegebietes Unterlachen. 1920 erfolgte ein Umbau für den Käsehändler Peter Bürki. Das charakteristische Lagergebäude mit einem Wohngeschoss im 1. OG erfuhr mehrere Umbauphasen. Dennoch ist ein grosser Teil der originalen Substanz aus der Bauzeit und älteren Umbauten erhalten geblieben und stellt ein wichtiges Bauzeugnis für das Quartier dar. Das Gebäude ist im Bauinventar der Stadt als erhaltenswert eingestuft und soll langfristig erhalten und denkmalpflegerisch saniert werden.

Pferdebestallung

Industriestrasse 9a

Im Jahre 1904 erstellte F. Dillier-Wyss einen Waschhaus-Anbau nordöstlich an das Käselager. Ein Jahr später folgte der Anbau eines zweigeschossigen Gebäudes mit Pferdestall und Wagenremise an das Waschhaus. Im Obergeschoss befanden sich mehrere Angestelltenzimmer, eine Küche und ein Lagerraum für Heu. Gemäss einem Baueingabeplan von 1922 zur Vergrösserung der Küblerei wurde das Obergeschoss umgebaut. 1928 erhielt das Gebäude einen Dachstock mit Satteldach.

Der Rossstall entspricht grösstenteils noch dem Originalzustand inklusive den Umbauten von 1922 und 1928. Er zeigt einen Zweckbau mit historisierenden Zier- und Konstruktionselementen. Seine Substanz und gestalterischen Qualität würden einen Erhalt rechtfertigen, der durch die teilnehmenden Teams im Wettbewerb zu prüfen ist.

Eisenwarenhandel

Industriestrasse 11

Der scheunenartige Bau gehört zu den ältesten Gebäuden auf dem Areal. Kurz nach 1900 richtete der Eisenhändler Josef Willmann-Ronca an der Industriestrasse 11 einen Lagerplatz für Grobeisen ein. 1918 ging die Eisenhandlung an die Firma Stocker & Co. über, die das Eisenlager bis 1962 an der Industriestrasse betrieb.

Getränkehandelsfirma

Industriestrasse 15

Karl E. von Vivis, Hersteller und Händler von mit Kohlensäure angereicherten Erfrischungsgetränken, errichtete 1911 ein Lager- und Bürogebäude an der Industriestrasse 15, nachdem die Lokalitäten an der Seidenhofstrasse 10 zu klein wurden. Im Jahre 1961 trat Charles B. von Vivis als Vertreter der dritten Generation in die Firma ein.

Im Jahre 1974 wurden die Fabrikations- und Abfüllanlagen der Vivis-Getränke stillgelegt und man verlegte den Firmensitz an die Obergrundstrasse 110. Die Firma beschränkte sich in der Folge auf den Handel mit Getränken. 1996 gingen die Aktien der Lufrisca von Vivis AG an die Brauerei Eichhof AG über.

Porzelanhandelsfirma

Industriestrasse 17

1903 ist das Gründungsjahr der Firma Bosshardt & Co., die an der Industriestrasse 17 einen Handel mit Glas-, Kristall-, Porzellan-, Keramik- und Metallwaren betrieb. Das Gebäude wurde 1912 erbaut, vermutlich als Aufstockung ab dem Hochparterre eines vormals bestehenden Gebäudes. Als Bauherrschaft trat die Deutsche Porzellanfabrik Weiden der Gebrüder Bauscher auf, deren Vertretung für die Schweiz Walther Bosshardt-Russi übernahm. Bis 1920 realisierten die Gebr. Bauscher noch mehrere Schuppen- und Lagerbauten an der ehemaligen Gasstrasse, heute Geissensteinring.

Um 1920 musste ein Besitzerwechsel von den Gebr. Bauscher zu Bosshardt & Co. stattgefunden haben, da ab 1924 für bauliche Erweiterungen die Firma Bosshardt & Co verantwortlich zeichnete. Gemäss Handelsregister wurde die Firma Bosshardt & Co AG 1994 mit einer Firma in Zürich fusioniert und aufgelöst.

Der Eckbau zeigt stilistische Merkmale aus der Zeit des deutschen Werkbundes, dessen Mitbegründer Peter Behrens war und der für die Firma Gebr. Bauscher bei der Gestaltung von Geschirr verantwortlich zeichnete.

Bei den drei Lagerbauten handelt es sich um Erweiterungen des Handelsgeschäfts Bosshardt & Co AG., die in mindestens zwei Etappen dem Hauptbau angefügt wurden. Der direkt an den Hauptbau anschliessende, dreischiffige Lagerbau wurde praktisch zeitgleich mit der Aufstockung des Hauptbaus erstellt und weist bauliche wie gestalterische Qualitäten auf.